AchtNacht -Sebastian Fitzek

12:46:00

Psychothriller Rezension Leselust Blog Hetzjagd Spannung Buch Kurzmeinung:

Ein Anfang mit Sogfaktor. Danach herrscht leider nur mäßige Spannung. Die Handlung wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Die Grundidee ist aber sehr interessant.
Gegen Ende wird es dann auch wieder spannender und die Auflösungen ist sehr gelungen.

Bewertung: 2 Sterne

Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 416
Preis: 12,99€ (TB), 9,99€ (eBook)

Klappentext:

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Meine Meinung:

Der Klappentext klingt so spannend, da war ich sofort neugierig. Und was für eine gruselige, aber zugleich faszinierende Idee -eine Todeslotterie. Wer würde bei so etwas mitmachen, wer würde so etwas glauben?
Ein Ansatz mit viel Potential, das leider nur ansatzweise ausgeschöpft wurde.

Der Anfang ist noch ziemlich gut. Man findet leicht in die Geschichte hinein und ist sofort neugierig, was wohl passieren wird.
Doch schon nach dem ersten Viertel lässt das Buch dann deutlich nach.
Die Charaktere sind leider nicht sehr interessant und auch die Handlung dreht sich irgendwie im Kreis.
Der arbeitslose Ben wird von der Todesfee als AchtNächter bestimmt. Ebenso wie die Psychologiestudentin Arezu.
Ben war mir von Anfang an nicht sehr sympathisch und ist für mich die ganze Zeit irgendwie blass geblieben. Ein komplexer Charakter sieht anders aus.
Da hatte die junge Arezu mit ihren Narben und Geheimnissen schon mehr Ecken und Kanten zu bieten. Aber auch ihr fehlt irgendwie die Tiefe und sie hat mich einfach nicht berührt.
Die Bösewichter sind da schon um einiges Interessanter gewesen und von ihnen konnte ich mir viel besser ein Bild machen. Da kam bei mir als Leser mehr an; da haben sich bei mir teilweise richtig die Nackenhaare aufgestellt, bei so viel Kaltblütigkeit.

Zwischendurch hat der Handlung dann leider die Spannung komplett gefehlt, denn es drehte sich viel im Kreis. Ben und Arezu auf der Flucht vor dem Mob. Sie fliehen mal hierhin und mal dahin. Aber sehr abwechslungsreich oder aufregend fand ich das nicht. Teilweise musste ich mich zwingen weiterzulesen. Das sollte eigentlich bei keinem Buch so sein, aber erst recht nicht bei einem Thriller.
Herr Fitzek bedient sich außerdem einige Male beim beliebten Schema F. Das kann man mal machen, sehr zur Spannung beitragen tut das aber leider nicht.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Da gab es viele Phrasen, überflüssige Einschübe in unnötigen Klammern. Oder Stilperlen wie diese:
"Dafür war seine innere Lebensuhr zurückgestellt; von Sommer- auf Verzweiflungszeit." (AchtNacht, S. 338)
Und auch einige logische Fehler sind mir beim Lesen störend aufgefallen. Das hätte ich vom sogenannten "Meister des Wahns" nicht erwartet.

Lichtblicke waren aber die psychologischen Betrachtungen des Grundszenarios. Wie sich die Idee der Todeslotterie verbreitet. Wie sich ein Mob bildet, welche Legitimierung sie für ihr Verhalten finden. Wie weit der einzelne rechtschaffene Bürger gehen würde.
Auch das Verbreiten von Gerüchten um die Gejagten und die regelrechte Diffamierung von Ben sind sehr interessant und auch glaubwürdig dargestellt. Das hat bei mir als Leserin dann auch Gefühle ausgelöst. Ich wurde wütend ob dieser Ungerechtigkeit, diesen teils offensichtlichen Falschmeldungen, die von der Masse trotzdem geglaubt wurden und denen Ben als Beschuldigter wenig entgegenzusetzen hatte. Wie solche Geschichten im Netz ein Eigenleben entwickeln können.
Da konnte ich wirklich mitschwingen und war ganz in der Geschichte drin, was sonst leider eher selten der Fall war.

(Achtung: Bezug aufs Ende. Wer da empfindlich ist wegen Spoilern, bitte überlesen)
Zum Ende hin nimmt die Geschichte dann aber noch mal richtig Fahrt auf und überrascht mit einigen cleveren Wendungen.
Die Auflösung hat mir auch gut gefallen und war durchaus glaubwürdig. Es bleiben keine Fragezeichen übrig und die Geschichte findet einen guten Abschluss.

Leselust Rezension Buchempfehlung Leseprobe Jagd

Fazit:

Ein nur mäßig spannender Thriller mit an den Haaren herbeigezogenem Plot und einigen logischen Fehlern. Auch die Charaktere sind eher einfach und es fehlt die Nähe zum Leser.
Die Grundidee ist aber sehr interessant und daraus ergeben sich auch teilweise spannende Betrachtungen. Auch Die Auflösung ist gelungen und das Ende hat mir sehr gut gefallen.


AchtNacht war mein erstes Buch von Fitzek und nach all den Lobeshymnen und der Begeisterung über diesen Autor, hatte ich eigentlich mehr erwartet.
Allerdings gebe ich den Autor noch nicht so schnell auf und versuche es demnächst mal mit einem seiner früheren Werke. Hoffentlich gefällt mir das dann besser und kann die hohen Erwartungen erfüllen, die mit dem Namen "Fitzek" verbunden sind.



Mein herzlicher Dank gilt dem Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars.


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Weitere Rezensionen zu AchtNacht:

Plauderecke:

Sind unter euch wahre Fitzek Fans? Dann empfehlt mir doch bitte ein Buch von ihm, auf das es mich eure Begeisterung teilen lässt.
Und wie hat euch das Buch gefallen? Wart ihr auch enttäuscht?


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12 Kommentare

  1. Hey :)

    Ich habe das Buch gehört. Und wäre nicht Simon Jäger so ein toller Sprecher, weiß ich nicht, ob ich nicht angefangen hätte querzulesen. Mir ging es nämlich mit den Figuren ganz genau wie dir, keine hat mich so wirklich berühren können ... Und damit war es mir auch viel zu oft eigentlich egal, was mit ihnen wird. Schade eigentlich, denn aus der Geschichte hätte man meiner Meinung nach wirklich viel machen können!

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Hey Ascari,
      Schön zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ging.
      Ganz genau, die Idee hat so viel Potential. Total schade, dass das größtenteils verschenkt wurde...
      LG, Julia

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  2. Hey meine Feine,
    habe leider schon viel Kritik über das Buch hören müssen. Die Story reizt mich, die Kritik der Leser schreckt jedoch ab - da bleib ich lieber bei den "Purge" Filmen.
    Schade, das dein erster Fitzek so in die Hose ging, es gibt gibt von ihm aber wirklich gute Bücher wie bspw. "Die Therapie" oder "Seelenbrecher", welcher mir gut gefielen.

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hallöchen Janna,
      Also ich kann dir das Buch leider nicht empfehlen. Die Story bzw die Idee hat mich ja auch total gereizt und der Klappentext klingt sooo gut. Aber der Inhalt kann da leider nicht mithalten...
      Ja, ich möchte auch noch eines der älteren Bücher von Fitzek lesen. "Nachtwandler" liegt zB noch auf meinem SuB. Mal sehen, ob mich der Herr damit überzeugen kann...
      LG, Julia

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  3. Hallo Julia,

    danke für deine tolle Rezension. Ich habe es auch noch nicht gelesen, habe aber mittlerweile mehrfach gehört, dass die Figuren wirklich sehr blass daherkommen und der Plot, wie du sagst, an den Haaren herbeigezogen ist. Ich mag Fitzek sehr, glaube aber, dass die Qualität seiner Bücher sehr darunter leidet, dass er 1. produziert wie am Fließband und 2. gefühlt ständig unterwegs auf Promotour ist. Da kann ja eigentlich nichts grandioses bei rum kommen. Ich werde ihn wohl irgendwann mal hören (mag Simon Jäger nämlich auch total gerne).

    Liebe Grüße
    Tamara

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    1. Hallöchen Tamara,
      Danke für deine lieben Worte. Freut mich, dass auch die kritischen Rezensionen gut ankommen.
      Also ich kann dir die Lektüre ja leider nicht wirklich empfehlen, aber vielleicht ist es noch mal was anderes, wenn man die Geschichte hört. Die Lesungen sind ja meistens auch gekürzt, vielleicht strafft sich die Handlung dadurch ein bisschen und es kommt mehr Spannung auf.
      AchtNacht war ja mein erster Fitzek, deswegen kann ich nicht beurteilen, ob der Herr sonst besser schreibt. Aber nach dem, was man so hört, scheinen die letzten Bücher ja im Vergleich wirklich stark nachgelassen zu haben. Die von dir genannten Argumente klingen schon einleuchtend. Wissen können wir es natürlich nicht. Bleibt nur zu hoffen, dass er vielleicht mal eine Pause einlegt und zu seiner alten Größe zurückfindet.
      LG, Julia

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  4. AchtNacht und das paket haben mir auch nicht gefallen ich kann den Seelenbrecher und Passagier 23 empfehlen

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    1. Hallo Conny,
      Ja, das habe ich schon von einigen gehört, dass die letzten Bücher im Vergleich immer mehr nachgelassen haben.
      Danke für die Buchtipps. Ich möchte dem Autor auf jeden Fall noch mal eine Chance geben. Aber erstmal brauche ich jetzt eine Fitzek- Pause. Die Bücher merke ich mir aber. Danke :)
      LG, Julia

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  5. Und nochmal hallo :)

    Da passt dein Kommentar von dir bei mir perfekt: unterschiedliche Wahrnehmung beim lesen! Mir sind z. B. Logikfehler hier überhaupt nicht aufgefallen, weil ich einfach von der Hetzjagd total gefesselt war :D Ich fand das schon ziemlich gut und dass bei dieser Art Thriller die Figuren etwas blass bleiben, stört mich auch nicht.
    Für mich wars eher die Idee dahinter, die mich fasziniert hat, dieser Mob und Gruppenzwang der in solch einer Lage entsteht und die Spannung, die für mich hier schon immer hoch gehalten war.

    Ich hab von Fitzek auch noch nicht viel gelesen - aber gerade AchtNacht hat mir echt gut gefallen und auch Noah ist genial (wobei ja gerade Fitzek Fans Noah nicht so gut finden).
    Der Seelenbrecher fand ich anfangs super, aber dann sehr abgedriftet wie ein C-Horror Film *lach*
    Dafür hat mir Das Paket wiederum super gefallen, weil hier die psychischen Aspekte eine sehr spannende Rolle gespielt haben.

    Ich werd auf jeden Fall auch noch mehr von ihm ausprobieren - es gibt ja genug *g*

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallöchen Aleshanee,
      Ja, die Grundidee fand ich ja auch total faszinierend. Nur war ich leider von der Hetzjagd überhaupt nicht gefesselt und das mit den Charakteren hat mich schon sehr gestört, weil ich so gar keine Verbindung zur Geschichte bekommen hab. Mir war fast schon egal was passiert, weil es mich gar nicht berührt hat. Und so etwas baut man eben über Charaktere auf, finde ich.
      Über Noah und das Paket habe ich auch überwiegend enttäuschte Stimmen gehört. Aber ich werde mir mal die Therapie oder so vornehmen. Und über Seelenbrecher habe ich eigentlich auch viel Gutes gehört. Aber wie wir ja schon festgestellt haben, können die Geschmäcker eben sehr verschieden sein.
      Aber ja, ich möchte auf jeden Fall noch mal was von Fitzek lesen um zu gucken, ob er mich nicht doch noch überzeugen kann.
      Ganz liebe Grüße, Julia

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  6. Hallo Julia,

    ich kenne die älteren Fitzeks und bin im Laufe der Zeit ein bisschen von dem Autor abgekommen, weil ich den Schreibstil immer gleich fand und mich ein bisschen daran sattgelesen hatte.
    Die Grundidee dieses Buches gefällt mir auch sehr gut, aber nachdem die ganz offiziell von den Purge-Filmen inspiriert wurden, die ich gesehen habe und sehr mochte, kann ich mir das Buch glaube ich sparen, denn mir scheint, sie können keinen neuen Aspekt hinzufügen.
    Danke für Deine schöne Rezension.

    LG Gabi

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    1. Liebe Gabi,
      Die Grundidee ist leider auch das einzig Gute an diesem Buch. Also du verpasst nichts, wenn du es nicht liest. Da kann man seine Lesezeit sinnvoller nutzen, glaube ich. Und freut mich, wenn meine Rezension bei der Entscheidung helfen konnte. :)
      Liebst, Julia

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