Gott, hilf dem Kind - Toni Morrison [Rezension + Gewinnspiel]

Donnerstag, Oktober 05, 2017

Gewinnspiel Buchverlosung Bestseller Literaturnobelpreis Rassismus Missbrauch"Wo die Angst regiert, ist Gehorsam die einzige Wahl, um zu überleben." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.42) 

Kurzmeinung:

Ein Buch, von dem ich etwas ganz anderes erwartet habe, dass mich aber dennoch nicht enttäuscht hat. Es lässt mich allerdings etwas ratlos zurück und ich muss immer noch oft an die Lektüre zurückdenken, die mich nachdenklich gestimmt hat, von der ich mir aber auch mehr gewünscht hätte. 

Bewertung: 3 Sterne 


Klappentext:

Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie auf der Stelle verlässt, weil er nicht glauben kann, dass dieses Kind von ihm ist. Sweetness erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, nur nicht auffallen, aus Angst vor rassistischen Angriffen.
Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, in Bride, kleidet sich in provokant strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen geheimnisvollen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit.
Zwei starke Frauen, zwei verschiedene Lebensentwürfe, in dem Versuch, sich zu schützen und gleichzeitig zu behaupten. Ein Roman, der zur Weltliteratur gehört.



Meine Meinung: 

Toni Morrison wirft einen direkt in das Geschehen und ich war von der ersten Seite an gefesselt. Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Der Schreibstil ist etwas anders und man muss sich vielleicht etwas reinlesen. Mir hat er aber sehr gut gefallen. 

Sehr gelungen ist auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Ich- Erzählern und Erzählperspektiven aus der dritten Person. Dies wird jeweils durch den Namen des jeweiligen Erzählers über den Kapitel verdeutlicht, so dass auch nie Verwirrung beim Leser entsteht. 

Anfangs wird der Leser im Unklaren über die Zusammenhänge gelassen. Erst nach und nach entfaltet sich das Gesamtbild und man kann die einzelnen Episoden zusammenfügen. 


"Lügen. Schweigen. Einfach nicht aussprechen, was die Wahrheit ist oder warum etwas geschieht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.178) 

In den Abschnitten von Bride, ehemals Lula Ann, konnte ich über die Grausamkeit der Mutter Sweetness nur den Kopf schütteln. Wie kann man seinem eigenen Kind nur so sehr die Liebe verweigern? Das Thema Missbrauch und Rassismus ist hier zentral. 
Es gab zwar auch Abschnitte aus Sweetness' Sicht, die einem ihr Verhalten näher bringen sollte. Nachvollziehbar war es für mich allerdings trotzdem nicht, obwohl schon zu erkennen war, dass sie nur getan hat, was sie dachte, sei das beste für ihr Kind. 

Bookers Abschnitte sind voller intellektueller Auseinandersetzungen mit Sklaverei, Geld, Macht und Politik. Aber auch hier sind die wiederkehrenden Themen Missbrauch und Rassismus zu finden. 

Jeder der Charaktere hat seine eigene Geschichte, und niemand hatte einen leichten Weg. 


"Ich riskiere nichts. Ich sitze auf dem hohen Ross und weise anderen ihre Mängel nach. Ich war besoffen von meiner Intelligenz und meinen moralischen Ansprüchen und der Unduldsamkeit, die damit einhergeht." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.184)

Zwischendurch gibt es auch immer wieder überraschend brutale Szenen, die mich zunächst abgeschreckt haben. Dennoch fügen sie sich trotzdem gut in den sonst eher ruhigen Ton der Geschichte ein. 

Außerdem gibt es viele überraschende Wendungen. Bei manchen der wie zufällig wirkenden Episoden war ich mir nicht ganz sicher, was sie mir sagen wollten und war manchmal zunächst etwas ratlos. Die einzelnen Passagen fügen sich dann am Ende aber zu einem stimmigen Ganzen zusammen. 


"Jeder wird sich an eine kleine Story von Frust und Verletzten Klammern von irgendwelchen Problemen und Schmerzen, die das Leben über ihren unschuldigen, reinen Seelen ausgekippt hat." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.181)

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Fazit: 

Ein Buch darüber, welche Macht die Vergangenheit über uns haben kann. Wie sie unsere Gegenwart bestimmen kann. Wie sehr Leid in der Kindheit unser Leben prägen kann. Über Missbrauch und Rassismus. Überraschend viele Themen in so einem schmalen Buch. Es hat mich nicht tief bewegt, aber ich habe definitiv viel über den Buch und seine Aussage nachdenken müssen. 

"Und er, der so gut wusste, wie Kindheitswunden eitern und nie verschorfen (...)." (Aus "Gott, hilf dem Kind", S.157)

Mein herzlicher Dank gilt dem Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars. 


Biblio: 
Verlag: Rowohlt
Seiten: 208
Preis: 19,95€ (Hardcover) 



                      --------------- Gewinnspiel -----------------

Ihr seid neugierig geworden und möchtet euch gern selbst eine Meinung zu dem Buch bilden? Dann seid ihr hier genau richtig! 
Durch ein Versehen wurde mir das Buch zweimal zugeschickt und ich habe vom Verlag die Erlaubnis bekommen, ein Exemplar von "Gott, hilf dem Kind" von Toni Morrison zu verlosen. Wie ihr gewinnen könnt, das erfahrt ihr in meinem Instagram Post. Also schaut vorbei, wenn ihr Interesse an dem Buch habt. 


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Plauderecke: 

Habt ihr das Buch gelesen? Wie hat es euch gefallen? Und wie interpretiert ihr das Ganze? Mich hat es stellenweise wirklich etwas ratlos zurückgelassen, deswegen bin ich sehr gespannt auf eure Meinungen. 

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4 Kommentare

  1. Liebe Julia,
    Was für eine tolle Rezension. Ich mag es total, dass du das Buch so kritisch betrachtest und sagst, was dir gefallen hat, aber auch, was du nicht so gut fandest. Durch deine Buchbesprechung hast du mich noch viel neugieriger gemacht und ich möchte diesen Roman jetzt unbedingt lesen!
    Danke auch für die Chance auf den Gewinn. Hoffentlich habe ich Glück. Wenn nicht, dann muss ich mir das Buch auf jeden Fall kaufen. Lesen werde ich es also so oder so.
    Danke für den Buchtipp.
    Liebe Grüße, Sandra

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    1. Liebe Sandra,
      Dankeschön. Freut mich, dass ich dich neugierig auf das Buch machen konnte. Es bietet auf jeden Fall viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren. Also du kannst dich dann gerne noch mal melden, wenn du es gelesen hast. Bin gespannt, wie du die ein oder andere Szene interpretieren wirst.
      Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen beim Gewinnspiel. :)
      Liebe Grüße, Julia

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  2. Ich finde Deine Rezension auch sehr gut geschrieben. Die kritischen Punkte gehören zu einem solchen Buch irgendwie dazu und es ist super, dass Du sie ansprichst.

    Neri, Leselaunen

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  3. Hallo Julia,
    wieder einmal eine interessante Buchauswahl von dir. Die erwähnten Themen sind wirklich sensibel. Werde mir das Buch direkt auf meiner "noch zu lesen -Bücherliste" notieren.
    Danke fürs vorstellen.
    Viele Grüße,
    Beate

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Über mich


Hallöchen, ich bin Julia, 24, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
Seit 2016 blogge ich hier über Bücher, Literaturevents und was mich sonst so beschäftigt.
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