Rezension: "Sophia, der Tod und ich" von Thees Uhlmann

08:05:00

Verlag: KiWi
Seiten: 320
Preis: 18,99€ (Hardcover), 16,99€ (eBook) 

Bewertung: 5 Sterne 


Kurzmeinung

Jetzt schon ein Monatshighlight. Das Buch wird mich so schnell nicht wieder loslassen. 
Es ist eine Hommage an das Leben und bringt einen mit einem Schmunzeln dazu, seine eigene Einstellung neu zu überdenken. Und wer hätte schon gedacht, dass einen ein Buch über den Tod mehr als einmal laut zum Lachen bringen kann? 


Klappentext:

Wie kaputt muss man sein, um bei jemandem an der Tür zu klingeln und zu behaupten, man sei der Tod? Was wie ein schlechter Scherz beginnt, ist der Auftakt zu einem hinreißenden, nicht enden wollenden Wortgefecht zwischen dem Tod und dem Erzähler, in dem es um Liebe, Freundschaft und Glauben, um den Lakritzgeschmack von Asphalt und das depressive Jobprofil des Todes geht. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zur Mutter und zu Johnny, dem kleinen Sohn des Erzählers, den er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Mit dabei: Sophia, die ruppig-souveräne und weise Exfreundin. Es ist eine Reise zwischen Himmel und Hölle, die geprägt ist von der Tollpatschigkeit, mit der sich der Tod begeistert durch die Welt der Lebenden bewegt, und Fragen aufwirft wie: Muss der Tod eigentlich pinkeln? Und wenn ja, wie macht er das? Und es geht um die große Frage, was denn besser ist, »to burn out or to fade away«?


Zum Buch

Zu Beginn des Buches klingelt wie gesagt der Tod bei unserem namenlosen Protagonisten und eigentlich sollte dieser dann nur noch 3 Minuten zu leben haben. Doch dann passiert etwas im großen Leben-Tod-Gefüge und der Protagonist darf noch eine Weile auf der Erde wandeln, allerdings nur mit dem Tod zusammen. Denn anscheinend gibt es einen neuen Bewerber für den Job des Todes und der aktuelle Tod muss den Bewerber im Kampf besiegen. Aber dazu später mehr. 
In dem Moment, in dem der Protagonist eigentlich sterben sollte, klingelt dann auch noch seine Ex- Freundin Sophia an der Tür und das bringt dann erst recht alles durcheinander. Und weil der Tod nun mal der Tod ist, muss Sophia jetzt mit ihrem sterbenden Ex-Freund und dem Sensenmann zusammenbleiben, ob sie will oder nicht. 
Dieses ungleiche Trio tritt nun eine Reise zur Mutter des Protagonisten an, um dann mit ihr zusammen bis in den Süden Deutschlands zu fahren, um den Sohn des Protagonisten vor dem neuen Tod zu retten, und damit der Protagonist seinen Johnny noch ein letztes Mal sehen kann. 

Und auf dieser Reise passiert unglaublich viel. Erzählt werden liebevoll einzelne Episoden, schöne Anekdoten, die sich aber mühelos in den Gesamtverlauf der Geschichte zusammenfügen. 
Der Protagonist realisiert erst jetzt, da er mit dem Tod konfrontiert ist, dass die letzten Jahre seines Lebens eigentlich nur so an ihm vorübergezogen sind. Er kam mir etwas "lebensmüde" vor, war nicht mehr begeistert vom Leben. Ganz anders der Tod. Dieser darf sonst immer nur 3 Minuten auf der Erde sein, bis er seinen Kandidaten auf "die andere Seite" bringen muss. Und nun ist er plötzlich mehrere Tag auf der Erde und kann sich für alles begeistern. Er erlebt viele erste Male, so zum Beispiel seine ersten Nudeln, seinen ersten Rausch, die erste Bahnfahrt und vieles mehr. Und alles kann ihn in Staunen versetzt und bringt ihm Freude. Und es ist unter anderem das Beobachten dieser Freude, die den Protagonisten aus seiner Lethargie erwachen lässt. Und das Gefühl, alles zum letzen Mal zu machen, verleiht den Situationen eine besondere Bedeutung und Tiefe. Es bringt ihn dazu, seine Entscheidungen, seine Beziehung zu ihm wichtigen Menschen zu überdenken und zu ändern. Und diese Entwicklung und Erkenntnis des Protagonisten mitzuverfolgen ist einerseits wunderschön und andererseits so traurig, weil es ja eigentlich zu spät ist. Aber ist es für solche Gedanken eigentlich je zu spät? 



Meinung

Wow, was für ein Buch. Es ist jetzt schon mein Monatshighlight. Ich muss sagen, es hat ein kleines bisschen gedauert, bis wir warm miteinander geworden sind, aber dann war es eine große Liebe. 
Wie Thees Uhlmann es schafft, die großen Fragen um Leben, Liebe und Tod mit einfachen Worten und Metaphern wie aus dem Alltag zu beschreiben, ist einfach großartig. Oft ist es vorgekommen, dass ich einen Satz das erste mal gelesen habe und es klang, wie ein ganz normaler Satz. Und wenn man ihn dann noch mal liest, merkt man, wie viel eigentlich dahinter steckt und wie Uhlmann es schafft, dass einem diese schlichten Sätze den ganzen Tag im Kopf bleiben und einen beschäftigen. 
Und das war es auch, was mir an dem Buch am besten gefallen hat und mich am meisten bewegt hat. Das hier die ganz großen Fragen behandelt werden. Was macht das Leben lebenswert? Wie verbringe ich die Zeit, die mir auf dieser Erde bleibt? Welche Menschen möchte ich in dieser Zeit um mich haben und wie behandele ich sie? Und um uns darüber nachdenken zu lassen braucht Thees Uhrmann keine hochtrabende, philosophische, schwere Sprache. Er schreibt im klaren, direkten norddeutschen Schnack und ist ganz nah am Alltag. Er hat in seinen Beschreibungen ein gutes Auge fürs Detail und lässt so Szenen vor dem inneren Auge entstehen, die so, oder so ähnlich wohl jeder kennt. 
Für mich ist "Sophia, der Tod und ich" ein Buch, dass ich auf jeden Fall noch mehrere Male lesen werde, und wahrscheinlich immer wieder neue Perlen entdecken kann. Und am Liebsten würde ich gleich eine ganze Liste von Zitaten rausschreiben, über die ich dann erstmal eine ganze Weile nachdenken müsste. 




Lieblingszitat:

Er: „Warum lieben die Menschen eine Blumenwiese?“
Ich: „Weil sie so schön bunt ist.“
Er: „Nein, weil sie nur vier Wochen lang so schön bunt ist. Und dann wird sie gelb, und dann ist sie tot. Ohne mich wäre es einfach nur eine Fläche mit bunten Punkten. Ich mache den ganzen Kram hier zu dem, was er ist. Ich bin der Grund, warum ihr morgens aufsteht. Ich bin die Angst, die euch lieben lässt. Ich bin das Ticken in eurem Kopf. Alles, was ihr am Leben liebt, bekommt durch mich erst seine Form. Die Angst, etwas zu verpassen. Was willst du verpassen, wenn du es immer nachholen kannst?“

(S. 248)

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2 Kommentare

  1. Was für eine schöne Rezension! Da hab ich ja gleich richtig Lust bekommen, das Buch auch zu lesen. Danke dafür! Meine Wunschliste wächst fleißig weiter. Aber diese Buch wird gleich nach ganz oben rücken :)
    Liebe Grüße, Jana

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    1. Hallo Jana,
      Schön, dass dir meine Rezension gefallen hat. Das freut mich sehr :)
      Ja, das mit der langen Wunschliste kenne ich auch. Es gibt einfach zu viele gute Bücher! :)
      Aber auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen, wenn du das Buch dann hast.
      Viele Grüße,
      Leselust

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Über mich


Hallöchen, ich bin Julia, 24, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
Seit 2016 blogge ich hier über Bücher, Literaturevents und was mich sonst so beschäftigt.
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