Prinzessin Insomnia - Walter Moers [Rezension]

Montag, Oktober 09, 2017

Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr (Zamonienroman #7) - Walter Moers


Bücherblog Zamonien Leseprobe Fantasy Roman Krankheit Bestseller CFS
"Ich ängstige dich, also bin ich." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 82)

Kurzmeinung:

Eine Reise durch das eigene Gehirn bis tief ins Herz der Angst. Wie von Moers gewohnt erzählt er die Geschichte in sprachlicher Schönheit und mit großem Einfallsreichtum. Dennoch nicht Moers bester Roman. Dafür fehlt eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien. 


Bewertung: 3 Sterne 

Klappentext: 

Eine traumhafte Liebesgeschichte und eine Reise durch das menschliche Gehirn als rasantes zamonisches Abenteuer
Prinzessin Dylia, die sich selbst „Prinzessin Insomnia“ nennt, ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr. Havarius Opal, wie sich der ebenso beängstigende wie sympathische Gnom vorstellt, kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen. Vorher nimmt er die Prinzessin aber noch mit auf eine abenteuerliche Reise durch die Welt des Denkens und Träumens, die für beide immer neue und überraschende Wendungen bereit hält, bis sie schließlich zum dunklen Herz der Nacht gelangen. Walter Moers erzählt dieses Märchen aus der zamonischen Spätromantik voller skurriler Charaktere mit der ihm eigenen Komik: spannend und anrührend zugleich.

Meine Meinung: 

So lange habe ich sehnsüchtig auf einen neuen Roman von Walter Moers gewartet. Und jetzt war es endlich so weit. "Prinzessin Insomnia" konnte mich dann leider nicht ganz so sehr begeistern, wie ich es sonst von den Moers Büchern gewöhnt bin. 

Aber erstmal das Positive
Ich habe die ersten Seiten des Buches gelesen und zuerst sind mir die wunderschönen Illustrationen von Lydia Rode aufgefallen. Ich war ja erst skeptisch, als ich gehört habe, dass jemand anderes das Buch illustriert. Wo ich doch Moers Zeichnungen so mag. Aber die bunten Wasserfarben haben mir sehr gut gefallen und zum "Traumhaften" der Geschichte sehr gut gepasst. Sie machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.  
Als ich dann die ersten Sätze gelesen habe, war es wie ein nach Hause Kommen. Ich bin sofort in Moers einzigartige, wunderschöne Sprache eingetaucht und habe in schönen Zamonien- Erinnerungen geschwelgt, als die Worte Fhernhachen, Florinth, Hutzenberge, Zamomin oder Nattifftoffen fielen. 

Die Geschichte war voller kreativer Einfälle und einer sprachlichen Schönheit, wie ich sie sonst kaum lese. Man merkt Moers die Freude an der Sprache einfach an. Er benutzt wunderschöne Umschreibungen und ausgefallene, oder veraltete Wörter, wie zum Beispiel "ennuyant". Das finde ich einfach fabelhaft, denn die deutsche Sprache hat so viele fantastische Wörter zu bieten, die man nur mal wieder mehr nutzen müsste. 

Texte von Moers zu lesen ist mir einfach immer wieder ein Genuss. Aber nicht nur wegen der schönen Sprache. 
In dem Buch stellt Walter Moers auch erneut seinen schier endlosen Einfallsreichtum unter Beweis, auch wenn der Anfang sich etwas in die Länge zieht. Aber Havarius Opal und die Prinzessin sich dann erstmal auf den Weg in ihr Gehirn machen, überschlagen sich die Ereignisse und die beiden müssen so manches Abenteuer bestehen. 

Interessant fand ich, dass das Buch eine reale Krankheit, das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) thematisiert. Lydia Rode, die Illustratorin, leidet, genau wie Prinzessin Dylia, an dieser Krankheit und hat Moers zu dem Roman inspiriert. Ich finde es sehr gut, dass Moers dieses Thema so einer breiteren Masse zugänglich macht. Für Betroffene ist dieses Buch vielleicht noch interessanter zu lesen. 
Gut fand ich auch, wie Moers das menschliche Gehirn beschrieben hat und im Zuge der Reise die verschiedenen Hirnregionen und deren Funktionen dargestellt hat. Durch mein Studium kenne ich mich etwas mit Neuroanatomie aus und ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Moers das in seinem Roman umgesetzt hat. So manches mal musste ich schon darüber schmunzeln, wie Moers die Funktionen bestimmter Hirnregionen beschreibt. 
Gelungen fand ich ebenfalls die Metapher für Depressionen, mit dem schlechten Wetter im Kopf und den Irrschatten, die Dunkelheit verbreiten und einem jede Zuversicht nehmen. In sofern ist das Buch vielleicht auch für alle interessant, die solche Krankheiten besser verstehen wollen, oder für Betroffene, die es anderen besser verständlich machen wollen. 


Aber nicht alles an dem Roman hat mir gefallen. 

Sechs Jahre lang habe ich auf ein neues Buch von Moers gewartet. Und ja, ich habe die Lektüre von "Prinzessin Insomnia" genossen, denn ich mag einfach die Art und Weise, wie dieser Autor schreibt. Nicht umsonst gehört er zu meinen Lieblingsautoren
Aber dieser Roman konnte mich nicht ganz so begeistern, wie die anderen. Mir hat einfach etwas gefehlt. 
Zunächst fand ich schade, dass der Roman eigentlich nur zu Anfang wirklich in Zamonien spielt. Der Großteil der Handlung spielt in Dylias Gehirn und das ist eben eine ganz eigene Welt. Die war zwar auch interessant, aber so gab es eben kein Wiedersehen mit alten Bekannten, was ich sehr traurig fand. 
Außerdem hat mir bei diesem Buch ein bisschen das große Abenteuer gefehlt. Es gab zwar viele tolle Szenen, aber an die Genialität von "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" konnte es einfach nicht heranreichen. 
Eingangs habe ich zwar die Sprache von Moers gelobt, und sie ist ja auch wirklich schön. Aber die Satzkonstruktionen, die Vergleiche und Aufzählungen wirken dieses mal nicht ganz so stimmig, wie gewohnt. Zugegeben, Moers hat sich selbst auch eine verdammt hohe Messlatte gelegt, aber ich kam nicht umhin, diese Geschichte mit seinen "großen Werken" zu vergleichen, und da konnte sie leider nicht mithalten. 

"Man benötigte nämlich nicht nur einen exquisiten Geschmack, um etwas Gutes zu bevorzugen, oh nein, sondern auch, um das Falsche zu verschmähen." (aus "Prinzessin Insomnia", S. 41)


Rezension Leselust Bücherblog Bestseller Buchtipp Fantasy Zamonienroman

Fazit: 

Mit den schönen Illustrationen von Lydia Rode, dem moers'schen Schreibstil und seiner schier endlosen Kreativität ist "Prinzessin Insomnia und der alptraumhafte Nachtmahr" ein lesenswerter Roman. Mit Walter Moers großen Werken wie "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Die Stadt der träumenden Bücher" kann er aber leider nicht mithalten. Dazu fehlt mir eine Prise Abenteuer und eine große Portion Zamonien. 

Mein herzlicher Dank an den Verlag und das Bloggerportal für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars. 

Biblio
Verlag: Knaus 
Illustrationen: Lydia Rode
Seiten: 344
Preis: 24,99€ 


Plauderecke: 

Für mich als leidenschaftliche Moers- Leserin war ja sofort klar, dass ich dieses Buch haben muss. Seid ihr auch so riesige Moers- Fans? Wie hat euch der neue Zamonien- Roman gefallen? Und welcher ist eurer Liebling? 
Oder seid ihr noch Moers- Unerfahren und die Prinzessin euer erster Besuch in Zamonien? 

You Might Also Like

8 Kommentare

  1. Hallo Julia,
    ich habe auch so ziemlich alles von Moers im Regal, die Bücher sind allein schon vom Äußeren einfach etwas besonderes. Ich fand übrigens auch "Rumo" sehr lesenswert. Als ich gehört habe, dass er das neue Buch nicht selbst illustrieren würde, habe ich mich gefragt, ob das das gewohnte Flair zerstören würde. Wenn du als Fan davon begeistert bist, sollte ich mich davon wohl auch nicht abschrecken lassen.
    Dass ein Autor nicht immer an seine besten Werke herankommt, ist verständlich. Dank deiner Rezension weiß ich jetzt jedenfalls, dass "Prinzessin Insomnia" nicht völlig daneben ist und werde es mir noch besorgen.

    Herzliche Grüße,
    Marcus

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Marcus,
      Ja, die Walter Moers Bücher machen echt was her. Ich freue mich auch sehr, dass der Knaus Verlag sie jetzt wieder als Hardcover rausbringt. Da fehlen mir noch einige in meiner Sammlung, die ich lange Zeit nur als TB hätte bekommen können. Die Weihnachstwunschliste ist also schon gut gefüllt. Ja, Rumort ist auch wirklich toll.
      Nein, also von den Illustrationen brauchst du dich wirklich nicht abschrecken zu lassen. Es ist schon ein anderer Stil als Moers, aber zu dieser "traumhaften" Geschichte passt es sehr gut.
      Ja, also das Buch ist auf jeden Fall lesenswert. Und wenn man den Stil von Moers mag sowieso. Bin gespannt, was du zu dem Buch sagen wirst.
      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Besuch.
      Julia

      Löschen
  2. Hey!
    Tolle Rezension. Ich will schon länger mal mit der Zamonien-Reihe anfangen. Sind die ganzen Romane zusammenhängend? Muss man sie der Reihe nach lesen? Bin schon wahnsinnig gespannt auf "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär".
    Liebe Grüße
    Jana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Jana,
      Oh ja, die Zamonienbücher kann ich dir auf jeden Fall nur empfehlen. Toll, dass du damit anfangen willst. Da liegen ein paar wundervolle Lesestunden vor dir.
      Also die Zamonienbücher hängen in sofern zusammen, als das sie alle in der selben Welt spielen. Auch den ein oder anderen Charakter trifft man in in den verschiedenen Büchern wieder, aber die Geschichten sind unabhängig und lassen sich getrennt von einander lesen. Eine Ausnahme bildet "Die Stadt der träumenden Bücher" und die Folgebände. Die sind als Trilogie angelegt und gehören zusammen. Die anderen Bücher kannst du aber in beliebiger Reihenfolge lesen.
      Ich finde, "Käpt'n Blaubär" ist der perfekte Einstieg in die Zamonienromane, da man in dem Buch den ganzen Kontinent kennenlernt. Ich wünsche dir ganz viel Freude bei der Lektüre. Kannst dich ja dann gern noch mal melden und berichten, wie es dir gefallen hat.
      Liebe Grüße, Julia

      Löschen
  3. Ist nicht ganz mein Genre, aber dennoch finde ich die Rezension sehr interessant.

    Neri, Leselaunen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich. Fantasy ist ja sonst auch nicht so meins, aber bei diesem tollen Autor lohnt sich auf jeden Fall ein Ausflug in dieses Genre!
      LG, Julia

      Löschen
  4. Hallo Julia,

    ich wolle schon vor gefühlt etlichen Jahren das Buch "Die Stadt der träumenden Bücher" kaufen, aber irgendwie hat es nie geklappt. Als ich vor kurzem "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" am Flughafen gesehen habe, habe ich mir beide Bücher gekauft und zuerst mit der Neuerscheinung begonnen. Ich bin Biologin und habe auch viele Psychologie-Bücher gelesen. Vielleicht hat mir Prinzessin Insomnia aus diesem Grud besonders gut gefallen. Das Ende hat irgendwie dafür gesogt, dass das Buch es in meine Lieblingsliste schafft :) Gerade lese ich "Die Stadt der träumenden Bücher" und auch dieses Buch schafft es wahrscheinlich auf die Lieblingsliste, aber meine Liebe für das ungleiche Paar aus der Neuerscheinung verschmälert das nicht.
    Liebe Grüße, Mariam

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Mariam,
      Ja, das Buch hat auf jeden Fall einen besonderen Reiz, wenn man sich mit der Neuroanatomie und Hirnchemie ein bisschen auskennt. Ich musste da wie gesagt auch das ein oder andere mal schmunzeln und fand es beeindruckend, wie er die Abläufe in den einzelnen Hirnregionen kreativ umgesetzt hat.
      Walter Moers schreibt einfach toll. Freut mich, dass er sich auch bei dir einen Platz in der Lieblingsliste erobern konnte. ;)
      Liebe Grüße, Julia

      Löschen

Über mich


Hallöchen, ich bin Julia, 24, und der Bücherwurm hinter dem Blog Leselust.
Seit 2016 blogge ich hier über Bücher, Literaturevents und was mich sonst so beschäftigt.
Ich liebe Bücher, Kaffee, das Meer und Musik.
Wenn ihr mehr über mich wissen wollt, dann schaut bei "Über mich" vorbei oder schreibt mir auch gern. Ich habe immer ein offenes Ohr für euch.


Kontaktformular

Name

E-Mail *

Nachricht *

Bloglovin

Follow