Dienstag, 23. Mai 2017

Wir sehen uns am Meer - Dorit Rabinyan [Rezension]

Kurzmeinung:

Sanft und leise erzählt die Autorin die Geschichte von einer Liebe, die eigentlich nicht hätte sein dürfen. Zwischen zwei Menschen, die ihre Herkunft trennt. Mögen die Umstände auch sehr außergewöhnlich sein, so ist es im Kern doch eine rührende Liebesgeschichte.

Bewertung: 3 Sterne

Verlag: KiWi
Seiten: 384
Preis: 19,99€ (Hardcover),17,99€ (eBook), 10,99€ (Taschenbuch)

Klappentext:

Romeo und Julia heute: Von der unmöglichen Liebe zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser

Die Tel Aviverin Liat lernt in New York den Maler Chilmi kennen, der aus Ramallah stammt. Die beiden verlieben sich, wohl wissend, dass ihre Liebe keine Zukunft hat: Wenn die Zeit in New York vorbei ist, wird auch die Beziehung, die eigentlich nicht sein darf, zu Ende gehen. Doch Liat und Chilmi haben die Rechnung ohne ihre Gefühle gemacht …

Zum Buch:

Die Israelin Liat trifft in New York den Palästinenser Chilmi. Und die beiden verlieben sich, trotz allem, was sie eigentlich trennen müsst. Doch ihre Liebe hat ein Verfallsdatum, denn Liat ist nur für begrenzte Zeit in den USA. Und wenn sie New York verlässt, muss sie auch Chilmi hinter sich lassen. Oder kann ihre Liebe stärker sein, als die Feindschaft zwischen ihren Völkern?

Meine Meinung:

In dem Buch schildert die junge Israelin Liat ihre Begegnung mit Chilmi, den sie in New York kennen und lieben lernt. Von Anfang an ist da eine sehr starke Anziehung zwischen ihnen, obwohl sie genau weiß, dass es eigentlich nicht sein darf.
In sehr poetischen Bildern beschreibt die Autorin Dorit Rabinyan, wie sich die Beziehung zwischen den beiden Liebenden entwickelt. Wie sie mit sich ringen und rational abwägen und doch nicht gegen ihre Gefühle füreinander ankommen.
Während Liat und Chilmi immer mehr Zeit miteinander verbringen, lernen sie auch die jeweils andere Kultur besser kennen. Allerdings bringt ihre Herkunft auch einiges an Konfliktpotential und es kommt zu Missverständnissen und Reibungen. Diese Szenen haben mir persönlich immer besonders gut gefallen, weil hier eine starke Spannung aufgebaut wurde, die diesen Roman von anderen Liebesgeschichten abhebt. Man spürt nicht nur einen Leidensdruck der Protagonisten, die hin- und hergerissen sind zwischen ihrer Liebe zueinander und der Liebe zu ihrem Heimatland und ihrer Kultur. Sondern man erfährt auch noch einiges über die Geschichte der Länder, die Entstehung des Konflikts.
Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Autorin führt den Leser mit leiser Stimme durch die Geschichte, aber immer sehr nah an den Personen. Mit poetischen Bildern und viel Raum für Details entwickelt sie eine Szene, eine Stimmung. Manchmal bleibt dabei allerdings die Handlung auf der Strecke und Rabinyan verliert sich zu sehr in einzelnen Beschreibungen.

Wovon der Roman lebt, das sind die Bilder, die so meisterhaft gezeichnet werden und die Stimmungen, die sich unweigerlich auf den Leser übertragen. Das ist die Nähe zu den Protagonisten, das Eintauchen in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Und das ist der Autorin wirklich außerordentlich gut gelungen.

Fazit:

Eine Geschichte, die gerade durch die Zartheit und Intimität besticht, mit der sie erzählt wird. Allerdings verliert sich die Autorin manchmal zu sehr in einzelnen Details, so das auch einige Längen entstehen. Insgesamt aber eine schöne und ungewöhnliche Liebesgeschichte, die außerdem noch interessante Einblicke in die Feindschaft Zweier Völker und die jeweiligen Kulturen bietet.


Das könnte dir auch gefallen: 

Vom Ende der Einsamkeit - Benedict Wells [Rezension]
--> auch eine außergewöhnliche Liebesgeschichte
Stalins Kühe - Sofi Oksanen [Rezension]
--> eine Buch, bei dem man auch viel über die Geschichte eines anderen Landes und eine andere Kultur lernen kann


Plauderecke: 

Interessieren euch bei Büchern Einblicke in fremde Kulturen und die Geschichte anderer Länder? Oder ist das nur unnötiges Nebenwerk und lenkt von der eigentlichen Liebesgeschichte ab?
Falls ihr es schon gelesen habt, möchte ich natürlich auch eure Meinung zu dem Buch hören.

Freitag, 12. Mai 2017

Ragdoll - Daniel Cole [Rezension]

"Ragdoll - Dein letzter Tag" von Daniel Cole (Ein New-Scotland-Yard-Thriller, Band 1)


Buchtipp Rezension Buchempfehlung spannender Thriller Spannung Leseprobe Kurzmeinung:

Die perfekte Mischung aus Spannung und Humor. Genau so wünsche ich mir einen Thriller.
Das Ermittlerteam hat eine interessante Dynamik und auch jeder Charakter für sich ist faszinierend.
Auch der Fall ist reizvoll und es wird schon im Prolog eine große Spannung aufgebaut. Insgesamt konnte ich dieses Buch kaum aus der Hand legen und habe es regelrecht verschlungen. Allerdings gab es auch hier und da ein paar Stellen, die mich nicht 100 prozentig überzeugt haben. Das tut dem Leseerlebnis insgesamt aber keinen Abbruch und das Ende hat mir auch sehr gut gefallen.

Bewertung: 4,5 Sterne


Verlag: Ullstein
Seiten: 480
Preis: 14,99€ (Taschenbuch), 12,99€ (eBook)

Klappentext:

Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Lumpenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes ...


Meine Meinung:

Schon mit mit dem Prolog hat mich dieses Buch gepackt. Er ist nicht aus der Sicht der Ermittler geschrieben, sonder gibt einen anderen Blickwinkel. So bekommt man schnell einen Überblick über die Ereignisse, aber eben trotzdem auch persönliche Eindrücke. Ich war von der ersten Seite an gefesselt.
Nach und nach wird man dann mit dem Ermittlerteam bekannt gemacht -und jeder Ermittler ist eine Type für sich.
Da haben wir zunächst Wolf, den verbitterten Einzelgänger, an dem die letzten Jahre -und besonderes der letzte große Fall- nicht spurlos vorbeigegangen sind.
Dann gibt es die toughe Baxter, die nie um eine Antwort verlegen ist, keinen Schlagabtausch scheut und mit ihrer brüsken Art bloß niemanden zu nah an sich heran lassen will.
Der dritte im Bunde ist Frischling Edmunds. Dies ist sein erster Fall und er wird von den alten Hasen viel verarscht und rumgescheucht. Er lässt sich aber nicht unterkriegen und erkämpft sich mit unermüdlichem Einsatz und guten Instinkten schnell seinen Platz im Team.

Die Dynamik im Team ist spannend und auch das Geplänkel zwischen den Ermittlern ist großartig und erfrischend. Und so ist trotz des spannenden Falls ist immer viel Platz für eine ordentliche Portion Humor. Das bereichert dieses Buch um eine weitere Facette, den man nicht in jedem Thriller findet.
"Da er [Wolf] an jenem Morgen (und auch an allen anderen in den vergangenen vier Jahren) seine Liegestütze vergessen hatte, dachte er..." (aus Ragdoll von Daniel Cole, S. 99)

Eine weitere Besonderheit des Thrillers ist, das auch die Medien hier eine große Rolle spielen. Man begleitet die Reporterin (und Ex- Frau von Wolf) Andrea und bekommt so Einblicke in die Arbeit der Presse und kann einen Blick hinter die Kulissen werfen. Und was da (zumindest in diesem Buch) abläuft, ist wirklich erschreckend. Ich war schockiert über die Skrupellosigkeit der Medien, die keine Moral kennt und für eine hohe Einschaltquote alles tun würde.

 "Ein Mann ohne Feinde ist ein Mann ohne Prinzipien." (S.304) 

Der Fall ist auf jeden Fall sehr spannend und wird nach und nach immer persönlicher. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, was auch an dem sehr flüssigen Schreibstil lag.
Die Weiterentwicklung der Charaktere hat mir auch gut gefallen. Man bekommt als Leser ein immer komplexeres Bild der einzelnen Personen und ihren Beziehungen zueinander.

Absolutes Highlight war aber der trockene, britische Humor.
"Will er fliehen oder sich umbringen?" "Vierter Stock, ich würde sagen fünfzig-fünfzig" (S. 203)

Fazit: 

Mit "Ragdoll" hat Daniel Cole hier einen grandiosen Thriller abgeliefert. Spannend von der ersten bis zur letzen Seite, interessante Charaktere und unerwartete Wendungen. Auch den Schluss fand ich gelungen.

"Zum Schluss wird dir klar [...], dass es keine "Guten" gibt. Es gibt nur solche, die einfach noch nicht weit genug in die Enge getrieben wurden" (aus "Ragdoll von Daniel Cole, S.403)

Rezension Leselust Buchtipp Buchempfehlung Leseprobe


Ausblick:

Auf der Verlagsseite erfährt man, dass "Ragdoll" der erste Band der Reihe "New-Scotland-Yard-Thriller" ist. Band 2 soll wohl im Frühjahr 2018 erscheinen.

Gemeinsam gelesen 

Wie einige von euch ja wahrscheinlich mitbekommen haben, habe ich dieses Buch gemeinsam mit meiner BBF- Crew gelesen. Ausgetauscht haben wir uns auf Twitter unter dem Hashtag #bbfliest. Das hat auch wirklich gut geklappt. Und dadurch, dass ja auch alle anderen Twitter User bei unseren Kommentaren mitlesen konnten, sind so einige witzige Unterhaltungen zustande gekommen.
Das hat auf jeden Fall total viel Spaß gemacht und das Lesen noch mal zu etwas Besonderem gemacht.

Und auch bei der Leserunde von Lovelybooks habe ich mitgemacht und meine Meinung über das Buch auch zum Besten gegeben. Also an Austausch über das Buch hat es mir dieses mal wirklich nicht gemangelt.
Ein riesen Dank noch mal an Lovelybooks für die Überraschungspost. Ich habe mich wirklich wahnsinnig gefreut und was für ein Zufall das war, dass ich mir genau dieses Buch fast auf der Buchmesse gekauft hätte.

Plauderecke 

Dennoch will ich natürlich auch trotzdem noch mit euch über diesen Thriller schnacken. Also: Konnte ich euch mit meiner Rezension ein bisschen neugierig machen? Oder habt ihr Ragdoll auch schon gelesen? Und wenn ja, wie hat er euch gefallen? Und habt ihr unsere #bbfliest Tweets verfolgt?


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Fremdlesen: Weitere Rezensionen zu Ragdoll

Kerstin und Janna von KeJas BlogBuch
Nisnis Bücherliebe
Der Leseratz
Laberladen
Kitsunebooks





Dienstag, 9. Mai 2017

AchtNacht -Sebastian Fitzek

Psychothriller Rezension Leselust Blog Hetzjagd Spannung Buch

Kurzmeinung:

Ein Anfang mit Sogfaktor. Danach herrscht leider nur mäßige Spannung. Die Handlung wirkt konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Die Grundidee ist aber sehr interessant.
Gegen Ende wird es dann auch wieder spannender und die Auflösungen ist sehr gelungen.

Bewertung: 2 Sterne

Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 416
Preis: 12,99€ (TB), 9,99€ (eBook)

Klappentext:

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Meine Meinung:

Der Klappentext klingt so spannend, da war ich sofort neugierig. Und was für eine gruselige, aber zugleich faszinierende Idee -eine Todeslotterie. Wer würde bei so etwas mitmachen, wer würde so etwas glauben?
Ein Ansatz mit viel Potential, das leider nur ansatzweise ausgeschöpft wurde.

Der Anfang ist noch ziemlich gut. Man findet leicht in die Geschichte hinein und ist sofort neugierig, was wohl passieren wird.
Doch schon nach dem ersten Viertel lässt das Buch dann deutlich nach.
Die Charaktere sind leider nicht sehr interessant und auch die Handlung dreht sich irgendwie im Kreis.
Der arbeitslose Ben wird von der Todesfee als AchtNächter bestimmt. Ebenso wie die Psychologiestudentin Arezu.
Ben war mir von Anfang an nicht sehr sympathisch und ist für mich die ganze Zeit irgendwie blass geblieben. Ein komplexer Charakter sieht anders aus.
Da hatte die junge Arezu mit ihren Narben und Geheimnissen schon mehr Ecken und Kanten zu bieten. Aber auch ihr fehlt irgendwie die Tiefe und sie hat mich einfach nicht berührt.
Die Bösewichter sind da schon um einiges Interessanter gewesen und von ihnen konnte ich mir viel besser ein Bild machen. Da kam bei mir als Leser mehr an; da haben sich bei mir teilweise richtig die Nackenhaare aufgestellt, bei so viel Kaltblütigkeit.

Zwischendurch hat der Handlung dann leider die Spannung komplett gefehlt, denn es drehte sich viel im Kreis. Ben und Arezu auf der Flucht vor dem Mob. Sie fliehen mal hierhin und mal dahin. Aber sehr abwechslungsreich oder aufregend fand ich das nicht. Teilweise musste ich mich zwingen weiterzulesen. Das sollte eigentlich bei keinem Buch so sein, aber erst recht nicht bei einem Thriller.
Herr Fitzek bedient sich außerdem einige Male beim beliebten Schema F. Das kann man mal machen, sehr zur Spannung beitragen tut das aber leider nicht.

Auch der Schreibstil konnte mich nicht überzeugen. Da gab es viele Phrasen, überflüssige Einschübe in unnötigen Klammern. Oder Stilperlen wie diese:
"Dafür war seine innere Lebensuhr zurückgestellt; von Sommer- auf Verzweiflungszeit." (AchtNacht, S. 338)
Und auch einige logische Fehler sind mir beim Lesen störend aufgefallen. Das hätte ich vom sogenannten "Meister des Wahns" nicht erwartet.

Lichtblicke waren aber die psychologischen Betrachtungen des Grundszenarios. Wie sich die Idee der Todeslotterie verbreitet. Wie sich ein Mob bildet, welche Legitimierung sie für ihr Verhalten finden. Wie weit der einzelne rechtschaffene Bürger gehen würde.
Auch das Verbreiten von Gerüchten um die Gejagten und die regelrechte Diffamierung von Ben sind sehr interessant und auch glaubwürdig dargestellt. Das hat bei mir als Leserin dann auch Gefühle ausgelöst. Ich wurde wütend ob dieser Ungerechtigkeit, diesen teils offensichtlichen Falschmeldungen, die von der Masse trotzdem geglaubt wurden und denen Ben als Beschuldigter wenig entgegenzusetzen hatte. Wie solche Geschichten im Netz ein Eigenleben entwickeln können.
Da konnte ich wirklich mitschwingen und war ganz in der Geschichte drin, was sonst leider eher selten der Fall war.

(Achtung: Bezug aufs Ende. Wer da empfindlich ist wegen Spoilern, bitte überlesen)
Zum Ende hin nimmt die Geschichte dann aber noch mal richtig Fahrt auf und überrascht mit einigen cleveren Wendungen.
Die Auflösung hat mir auch gut gefallen und war durchaus glaubwürdig. Es bleiben keine Fragezeichen übrig und die Geschichte findet einen guten Abschluss.

Leselust Rezension Buchempfehlung Leseprobe Jagd

Fazit:

Ein nur mäßig spannender Thriller mit an den Haaren herbeigezogenem Plot und einigen logischen Fehlern. Auch die Charaktere sind eher einfach und es fehlt die Nähe zum Leser.
Die Grundidee ist aber sehr interessant und daraus ergeben sich auch teilweise spannende Betrachtungen. Auch Die Auflösung ist gelungen und das Ende hat mir sehr gut gefallen.


AchtNacht war mein erstes Buch von Fitzek und nach all den Lobeshymnen und der Begeisterung über diesen Autor, hatte ich eigentlich mehr erwartet.
Allerdings gebe ich den Autor noch nicht so schnell auf und versuche es demnächst mal mit einem seiner früheren Werke. Hoffentlich gefällt mir das dann besser und kann die hohen Erwartungen erfüllen, die mit dem Namen "Fitzek" verbunden sind.



Mein herzlicher Dank gilt dem Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars.


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Weitere Rezensionen zu AchtNacht:

Plauderecke:

Sind unter euch wahre Fitzek Fans? Dann empfehlt mir doch bitte ein Buch von ihm, auf das es mich eure Begeisterung teilen lässt.
Und wie hat euch das Buch gefallen? Wart ihr auch enttäuscht?


Montag, 8. Mai 2017

Gewinnspiel Auslosung

Gewinner Buchtipp Rezension Leseprobe


Gestern war der letzte Tag des Gewinnspiels anlässlich des ersten Jahrestags von "Leselust". Ich habe mich riesig über all eure Wünsche und lieben Worte gefreut und es tut mir richtig leid, dass nicht alle von euch gewinnen konnten.

Heute habe ich dann fleißig alle Namen aufgeschrieben und die Gewinner ausgelost.

Und ohne große Ausschweifungen präsentiere ich euch jetzt die Namen der glücklichen Gewinner:
 *Trommelwirbel*

Gewinner Buchtipp Rezension Leseprobe Buchblog Buchempfehlung



















Für Paket 1 - Thriller:
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Für Paket 2 - Liebe 
Gewinner Buchtipp Rezension Leseprobe Buchblog Buchempfehlung



















Für Paket 3 - Jugendbuch 
Gewinner Buchtipp Rezension Leseprobe Buchblog Buchempfehlung


















Und bei Paket 4- Schicksal musste ich nicht losen, weil es nur eine Bewerbung dafür gab:

Angeltearz



Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und viel Spaß bei der Lektüre. :)
Und an alle anderen: nicht traurig sein. Das war bestimmt nicht das letzte Gewinnspiel auf diesem Blog.

Ich wünsche euch allen weiterhin viel Spaß am Lesen, viele tolle Bücher und reichlich Lesestunden. Und ich freue mich natürlich immer über euren Besuch und eure lieben Kommentare.
Auf viele weitere schöne Blogger- Jahre mit euch.
Liebst, Julia

Samstag, 6. Mai 2017

Ellbogen - Fatma Aydemir [Rezension]

Buchtipp Buchempfehlung Türkei Erdogan Migration Gewalt Flucht Kurden

Kurzmeinung:

Was für ein großartiges Debüt. Zugegeben, an die teilweise sehr grobe, aggressive Sprache musste ich mich erst gewöhnen. Aber dieser Stil passt einfach zu der Geschichte, die erzählt wird und verschmilzt so zu einem stimmigen Gesamtbild. Eine Geschichte, die aktueller kaum sein könnte und Einblicke gibt, in die Perspektivlosigkeit und das Reinrutschen in eine Abwärtsspirale aus Diebstahl, Gewalt und Flucht.

Bewertung: 5 Sterne


Verlag: Hanser
Seiten: 272
Preis: 20,00€ (Hardcover), 15,99€ (eBook)

Klappentext:

Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heißt Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.

Türkei Erdogan Putsch Migration Gewalt Flucht Flüchtlinge Berlin Istanbul


Meine Meinung: 

Was mir als erstes als sehr besonders bei diesem Buch aufgefallen ist, ist die Sprache. Der Umgangston ist teilweise sehr grob und roh, dadurch aber auch sehr echt.
Hazal redet Klartext. Es ist in dem Buch abgeduckt, was ihr gerade durch den Kopf geht. Das ist manchmal nicht schön, aber auf jeden Fall "echt". So kamen in den Sätzen gerne mal Wörter wie "abhaten", "du Opfer" oder auch "verfickt" vor. An die Wortwahl musste ich mich erstmal gewöhnen, aber es passt eben zu dem, was erzählt wird und von wem erzählt wird und ergibt insgesamt ein stimmiges Bild.


Die Charaktere sind trotz der groben Sprache fein beobachtet und genau portraitiert.
Zunächst ist da Hazals Familie. Ihre Eltern sind sehr streng, wenig liebevoll und engen Hazal sehr ein. Auch die Religion und die Anforderungen, was von einem muslimischen Mädchen erwartet wird, spielen im Familienleben eine große Rolle.
Insgesamt bekommt der Leser einen interessanten Einblick in die türkische Kultur, das Familiengefühl, die Religion und das Frauenbild.

"Das erste, was ich nach dem Sprechen gelernt habe, war das Lügen." (Ellbogen, S. 119)

Hazal ist eine sehr coole Protagonistin, die irgendwie immer ein bisschen trotzig und frech wirkt. Aber gleichzeitig ist sie auch nachdenklich und verletzlich. Sie sieht, wie sehr die Religion sie einengt, wie die Frauen benachteiligt werden.
Sie tut knallhart und tough, aber eigentlich ist sie unsicher. Vor allem wenn sie über ihren Schwarm Mehmet redet, kann man das spüren.

"Einsamkeit kann man nicht teilen." (Ellbogen, S. 93)

Nach und nach lernt man Hazal besser kennen, sieht den weichen Kern hinter der harten Schale.
So zum Beispiel, wenn plötzlich in einem Nebensatz erwähnt wird, dass sie mehrmals versucht hat sich das Leben zu nehmen.

"Vielleicht ist Normalsein wirklich das Schlimmste, das einem passieren kann." (Ellbogen, S. 158)

Man taucht immer mehr ab in ihre Welt, die teils aus Selbstmitleid, teils auch aus echter Perspektivlosigkeit besteht. Sehr glaubwürdig gerät man mit ihr in diese Abwärtsspirale aus Ablehnung und Frustration, die zunächst zu Ladendiebstahl und dann zu roher Gewalt führt.

Wir fliehen mit Hazal nach Istanbul und sind mit ihr gemeinsam enttäuscht, weil dort doch nicht alles so toll ist, wie erhofft. Und auch Mehmet ist nicht der Traumprinz, den sie sich ausgemalt hatte.
Ab hier hat mich das Buch dann so richtig in seinen Bann gezogen, da Hazal eine sehr spannende Entwicklung durchmacht und der Charakter an Tiefe gewinnt. Das ist sehr interessant und durch die Ich- Perspektive sehr gut mitzuverfolgen. 


Fazit: 

Insgesamt steckt in diesen knapp 300 Seiten so viel drin. Das Buch ist Entwicklungsroman, Milieustudie, Gesellschaftskritik. Und ist dabei hoch aktuell, wenn Themen wie Migration, Integration und kulturelle Identität angesprochen werden. Aber auch Vorurteile und Ängste gegenüber Flüchtlingen, die politische Situation in der Türkei und Erdogan Gegner dort und Anhänger hier werden thematisiert.
Das alles ist aber gut verpackt in einer Geschichte, die unterhält, die anders ist und frisch.

Ein großartiges Debüt. Nah, authentisch, frech und vielseitig. Absolute Leseempfehlung! 



Ein herzliches Dankeschön an den Hanser Verlag für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplars.


Kleiner Einblick in das Buch - Lesung von Fatma Aydemir

Ich war übrigens auf der Leipziger Buchmesse selbst auf einer Lesung von Fatma Aydemir und hatte beim Lesen des Buches dann teilweise ihre Stimme im Kopf. :)


Weitere Rezensionen zu dem Buch: 

Kerstin - KeJas BlogBuch
Die fabelhafte Welt der Bücher 


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Plauderecke: 

Habt ihr das Buch schon gelesen? Konnte es euch auch so begeistern?